Das haben wir jetzt davon, Ihr Nazis.

Ja, Du kannst es ja auch nicht mehr hören. Gutmenschen vs. Nazis, dazwischen die Syrer, Eritreer und wie sie alle heissen und wo her sie alle kommen mögen. Und ja, es gibt Probleme. Drei.

((Quelle Watson.))

Problem eins: Popstars. 

Da kommen die also an, erschöpft von einer sicher nicht lustigen Bootsfahrt und einer Reise durch arme Länder und oft noch feindlich gesinnter Regierungen, Wanderungen, Stacheldraht, Züge von denen man nicht weiss, wo sie hinfahren. Und dann in Deutschland Applaus, la-Ola und was weiss ich denn nicht alles. Warum diese Überreaktion der Deutschen?
Wegen Euch Nazis. Ihr, die Ihr seit Jahren jegliche Menschlichkeit in den Medien zusammenschreit, noch die kleinste humanitäre Geste unkommentiert lasst und mit Eurem Hass uns nicht nur Angst gemacht, sondern auch die Schamesröte ins Gesicht getrieben habt mit Eurer Aggressivität und Eurer Dummheit, Eurer Ignoranz der Geschichte, der menschlichen Werte und last but not least mit Eurer Orthografie.
Ja, es ist Eure Schuld, dass es jetzt aus dem Ruder läuft, dass es offenbar viele falsche Trittbrettfahrer unter den Flüchtlingen gibt, dass man syrische Pässe für eine Handvoll Dollar kaufen kann, dass man als Flüchtling populärer ist als ein Sozialhilfeempfänger (also Du) oder ein qualifizierter Gastarbeiter aus einem Drittland.
Die Beklatschung der Flüchtlinge ist eine Gegenreaktion der bisher schweigenden Mehrheit. Nicht für die Flüchtlinge sondern für sich selbst. Wir haben schlussendlich gesiegt, wir, die die humanitären Werte in einer Ausnahmesituation leben wollen. Hättet Ihr doch bloss die Klappe gehalten, es kämen heute halb so viele und wahrscheinlich nur die echten. Und wir würden nicht am Bahnhof stehen und Willkommensfeste feiern.

Problem Zwei: Wirtschaftsflüchtlinge.
Wenn jemand vor dem Krieg ins Ausland flieht, ist er ein Kriegsflüchtling. Ausser er ist arm und schafft es trotzdem, denn dann ist er ein Wirtschaftsflüchtling. Oder er ist reich, dann ist er auch ein Wirtschaftsflüchtling.
Und das kommt so: Weil die Flucht so teuer ist, kann nur jemand fliehen, der entweder selbst Geld hat oder es auftreiben kann. Wer Geld hat, flieht nicht vor dem Krieg, sondern will nur sein Geld in Sicherheit bringen und seinen Lebensstatus sichern oder verbessern. Verdikt: Wirtschaftsflüchtling.
Echte Kriegsflüchtlinge die nichts haben ausser ihr Leben und ein paar Fetzen am Leib, (arme Schafhirten, ungebildete Paare und ihre 16 Kinder) die verrecken nämlich vorher schon in den Flüchtlingslagern oder im Kugelhagel in Syrien, im Libanon oder in der Türkei.  Nur ein toter Flüchtling ist ein echter Flüchtling, so sieht die Logik der Nazis aus.
Schauen wir uns doch mal an, was Wirtschaftsflüchtlinge mit ihrer Flucht anrichten. 1932 war Berlin das Zentrum der Welt. Film, Literatur, Musik, Wirtschaft, Wissenschaft: Was Rang und Namen hatte, war in Berlin. 1945 war alles in den USA. Und nein, die Einsteins, Spielbergs, Schönbergs, Billy Wilders und wie sie alle hiessen, sind nicht bettelarm auf einem Seelenverkäufer über den Atlantik gerudert.
Also, liebe Nazis, seid dankbar, dass nur die kommen, die es sich leisten können. Die zahlen nämlich in zehn Jahren Deine Sozialhilfe und deinen Alphabetisierungskurs.

Problem Drei: „Hilfe vor Ort“.
Ja, das ist schon richtig, man sollte vor Ort helfen. Statt Abenteuerurlaub in den Anden oder in Nepal könnte man ja uns einen Hilfe-Einsatz in von bis an die Zähne Bewaffneten umstellten Flüchtlingslagern verkaufen. Da melden sich sicher jede Menge abenteuerlustiger Nazis, die den humanitären Nervenkitzel suchen. Mitarbeitende des Roten Kreuzes werden sich da allerdings kaum hingetrauen, die haben ja schliesslich Familie und nicht nur Saufkumpels und Fahnenkameraden.
Hilfe vor Ort hätte man vielleicht vor ein oder zwei Jahren leisten können. Im Libanon, wo auf einen Einwohner eineinhalb Flüchtlinge kommen. Die hätten sicher gerne die Hilfe angenommen, aber damals waren wir Westler ja noch damit beschäftigt, die Ölraffinerien im Irak wieder aufzubauen, Waffen zu exportieren und die von uns gelieferten Atombombenfabriken im Iran zu verbieten. Damals hatten wir keine Zeit für so’n Scheiss. Und Ihr hättet geschrien, dass man besser den armen Nazis in Deutschland helfen soll, die von Hartz IV und RTLII leben müssen. Wär also auch nicht recht gewesen. Und jetzt sind sie da.  Sorry, liebe Nazis, das haben wir leider verpennt.

Zum Schluss also dies: Hättet ihr Euch nicht schon vorher monate- wenn nicht jahrelang so daneben benommen, wäre heute das Flüchtlingsproblem nur halb so gross und nur halb so prominent. Dass wir klatschen, hat genau so mit Euch zu tun wie der Umstand, dass heute wohl doppelt so viele kommen. Und darunter hat es sicher schwarze Schafe. 
Wenn Ihr überhaupt lernfähig seid, dann lernt dies: Einfach mal die Klappe halten, wenn Ihr keine Ahnung habt. 

 

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