Erfahrungen eines kleinen Wahlkämpfers.

Ich kandidiere nicht. Ich helfe nur mit, Wahlpropaganda unter das Volk zu bringen. An drei Nachmittagen habe ich mich am Breitenrain- und Casinoplatz (hoffentlich) für die GLP nützlich gemacht. Hier meine Erfahrungen:

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NR Kathrin Bertschy und ich am Breitenrainplatz – Chapeau vor diesem Engagement, Kathrin!

Grossmehrheitlich (ich liebe dieses Wort) waren alle Leute wohlwollend. Überraschend wohlwollend. Alt, Jung, Singles, Pärchen, Familien – ich hatte eigentlich schlimmere Befürchtungen. Aber so war es selten: „Hau ab mit dem Saich“ oder „sicher nid Euch“ waren die absolute Ausnahme. Der Rest der Leute war freundlich, manche winkten ab, manche griffen gerne zu, manche riefen fröhlich „Scho gwählt“ und manche sogar „Han Euch scho gwählt“.

Wenn negative Reaktionen, kamen sie ausschliesslich von älteren Männern, die alleine unterwegs waren. Was mich zur These verleitet, dass sich nur in solchen Momenten ältere Männer getrauen, ungehobelt zu sein – ansonsten kuschen sie vor dem Mami. Frauen hingegen waren – wen wundert’s – immer anständig, auch wenn sie uns nicht ihre Stimme geben mochten. Danke, liebe Damen.

Beim Casionoplatz gab es manchmal Autostau, was mich ermutigte, den Leuten hinter dem Steuer einen Wahlflyer anzubieten. Nicht gerade die klassische Clientèle der GLP, aber alle, die das Fenster runterliessen, nahmen ihn gerne an. Ausser dem jungen Mann in seinem grossen, neuen Schwarzen BMW. Fenster runter „so ne Schissdräck die Wahle, han alles furtgschosse, blödi Sieche, alli“ rief er mir zu und schloss dann das Fenster wieder und fuhr mit quietschenden Reifen davon. Ich hoffe, es hat ihm gut getan. Andererseits waren da die drei Herren gegen Ende 50: Teure Anzüge, sahen aus, wie wenn Sie von der SNB kämen. Banker-Models für Armani. Auf mein zaghaftes Zustrecken hin griffen alle drei beherzt zu und einer erklärte mir grinsend: „Isch aues besser aus d’SVP – gäued Sie?“.

Lustige Szenen gab es natürlich mit den zahlreichen Touristen und Ausländern. „Ick kann ja hia jar nich wählen, wissense, bin ja Ausländer“ hielt mich nicht davon ab, ein entschlossenes „aba n’Keks könnse ja essen, oda?“ entgegenzuhalten. Darauf hin gab es genau so Gegrinse und kurze Gespräche wie wenn ich nicht offensichtlichen Touristen ein „but a candy in your mouth will keep us in your mind for your swiss friends“ nachschleuderte. Jede Person kehrte zurück und nahm lächelnd einen Wahlflyer mit angebostitchtem Bonbon/Täfeli/Zältli (wieso gibt es dafür eigentlich keinen einleuchtenden indigenen Begriff im Schweizerdeutschen?).

Zwischendurch gabs auch mal Flaute, was es mir ermöglichte, die anderen Leute der GLP besser kennen zu lernen. Ich muss sagen, dass sich alle – insbesondere aber die Kandidierenden – wirklich in Zeug legten: Halbe Stunde Pause? Flyer in Briefkästen verteilen. Material rüsten, Material transportieren (mit Mobility oder dem Leiterwagen), aufstellen, abbauen, Kaffee holen usw. Ich finde unsere Kandidierenden nicht nur sehr authentisch, sondern auch sehr engagiert – niemand ist sich für nichts zu schade. Ich denke, da gibt es in den etablierteren Parteien eine ganz andere Hierarchie.

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Diese und andere Karten mit angehängtem Goodie kamen unter die Leute.

Was ich schlussendlich sagen will: Es macht Spass, in einer Partei zu sein, es macht mehrheitlich Spass, als Wahlkämpfer mitzuhelfen, es ist interessant und in der Stadt Bern wird einem als GLP-Mitglied wohlwollend  begegnet. Das ist schon mal nicht schlecht, finde ich. Dank an alle, die uns freundlich begegnet sind.

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Sandra Ryser schlägt die Wählersympathie entgegen.
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Stadtparteipräsident Martial Berset kämpft u.a. für Vaterschaftsurlaub beim Zielpublikum.

PS Heute und morgen ist noch Zeit genug zum Wählen. Danke für Ihre Stimme.

 

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