Linksgrüne Irritationen.

Momentan spricht ja alles von den Asylbewerbern. Die Fronten sind verhärtet zwischen links und rechts. Jeder weiss das. Und das ist auch nicht mein Thema.

Andersbehandlung von stark pigmentierten Suchtmittel-Krämern?

Irritiert bin ich von einigen Linken (namentlich aus dem Reithallen-Umfeld), wenn sie drogendealende Asylbewerber in Schutz nehmen, ja sogar durch physische Aktionen verhindern, dass die Polizei sie festnimmt.

Wer mich kennt weiss, dass ich für die kontrollierte Legalisierung von harten Drogen bin. Aber so lange dies nicht geschehen ist, ist für mich jeder Drogendealer ein Krimineller, ein potenzieller Killer. Egal ob schwarz oder weiss, egal ob Asylbewerber, Ausländer, Secondo oder Kuhschweizer. Und die gehören festgenommen und der Justiz vorgeführt. Drogendealenden Asylbewerbern eine andere Behandlung zukommen zu lassen, sie vor der Polizei zu schützen, sie milder zu verurteilen oder sonst irgendwie anders zu behandeln ist umgekehrter Rassismus. So sehe ich das.

Gewalttätige Konservative.

Die Linken standen für mich auch immer als die politische Richtung, die Kreativität und Kunst, alternative Lebensstile und Innovation förderten und guthiessen. Offenbar ist das aber nur der Fall, wenn diese Alternativen, Künstler und andere integrierte Randgruppen kein Geld verdienen. Wenn sie es nämlich tun, dann kommt der Anti-Gentrifizierungs-Mob. Das passiert im Moment in der Lorraine.
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ch verstehe nicht, was daran schlecht sein soll, wenn ein Quartier renoviert und aufgewertet wird, wenn Kneipen und Ateliers die Lokale von „Coiffeur Heidi“ und „Mode Binggeli“ übernehmen. Ich verstehe nicht, was daran schlecht sein soll, wenn die Metzgerei Huber dem Fair-Trade Laden weicht oder der Haushaltsgeräteladen zu einem Kulturort wird. Und am aller wenigsten verstehe ich, wieso die Linken dagegen protestieren und vandalieren, denn eigentlich müssten es ja die SVP-Wähler sein, die dagegen aufstehen. Ihnen werden ja auch noch die Parkplätze vor der Nase mit Pflanzengefässen verstellt.
Übrigens: Den Startschuss zur Gentrifizierung geben in den Städten die Linksgrünen selbst: Durch Verkehrsberuhigung wird eine Strasse oder ein Quartier erst attrkativ für Gebäudeaufwertungen.
Hier wird eine altbackene, traditionelle Schweiz gegen kreative, profitable Kultur verteidigt. Wollen wir keine Steuerzahler in der Stadt, solche, die Schulen sowie soziale und kulturelle Einrichtungen bezahlen? Oder wollen wir alte Leute schützen, die ihr Leben lang offenbar keinen beruflichen Aufstieg geschafft haben und jetzt, selbst nach dem Auszug ihrer Kinder, immer noch in Ihrer 4 1/2 Zimmer Wohnung für Fr. 800.- Miete aus sentimentalen Gründen wohnen bleiben wollen? Linker Konservatismus gepaart mit Vandalismus: Irritierend.

Linksgrünes Gemüse vs. Biodiversität.

Das dritte Thema ist dieses Unding namens Urban Gardening. Die Stadt ist im Schweizer Mitelland noch der letzte Zufluchtsort für die Natur, für die Artenvielfalt. Weder auf Bauernhöfen, noch in den Agglomerationsgärten noch im Wald finden Pflanzen und Tiere heute noch ein artgerechtes Umfeld. Artenvielfalt findet bei uns nur noch an den Autobahn- und Eisenbahnböschungen einen Platz, auf einigen seltenen Ruralflächen und eben in der Stadt. Doch anstatt dass die Linken und die Grünen das ökologische Balkonkistli zum nationalen Artenschutzprogramm erklären würden, investieren sie ihre Energie darauf, mitten in der Stadt dem Seeland Konkurrenz zu machen. Isch ja so härzig für’d Ching. Si wüsse ja gar nümmä, wohär ds Gmües chuntt, gäued si. screenshot.1355
Politisch halte ich das für eine grosse Dummheit. Erstens befassen sich hiermit die Linken und Grünen verniedlichend mit Versorgungssicherheit (Anbauschlacht), einem überholten, aber populären Lieblingsthema der SVP und des Bauernverbands.  Zweitens geben sie zu, dass sie offenbar nicht in der Lage sind, ihren Kindern aufzuzeigen, wie ihre Nahrungsmittel wachsen. Das ist insbesondere bei den Grünen ziemlich peinlich. Und last but not least gerät hier das Thema Artenvielfalt ins Hintertreffen. Gemüse könnt ihr auf jedem Bauernhof besichtigen, Wildpflanzen und Bienen nur noch auf Eurem Balkon, sofern da nicht Salatköpfe drin wachsen. Finden Sie, liebe Leserin, lieber Leser, das nicht auch irritierend?

 

 

 

2 Gedanken zu „Linksgrüne Irritationen.

  1. Hm, ich merke, wir haben zwar tendenziell oft die gleichen Einstellungen, aber im Detail klafft da doch eine Lücke zwischen uns.

    Bei Gentrifizierung bin ich dann doch auch für einen gewissen Milieuschutz. Sonst leben überall nur noch Kinder wohlhabender Eltern, die ohne finanziellen Druck Bier und Eis brauen oder andere Dinge tun, die die Welt nicht weiterbringen.

    Wie wär’s mit folgendem Kompromiss:
    Künftig muss jeder Alteingesessene, der zuviel Räume in der Wohnung frei hat, einen jungen Start-up-Vertreter bei sich aufnehmen. Und noch einen Flüchtling, um wieder auf deinen Eingangssatz zurückzukommen.

  2. @Achtr Einverstanden.

    Ich denke aber auch, wir haben hier einen Generationenkonflikt. Nicht den zwischen Dir und mir, sondern zwischen Berlin und Bern. Zum Besipiel am Breitenrainplatz, einem Platz, der in zwei Jahren verkehrsfrei sein wird. Da hat es heute: Eine Metzgerei, die am Samstag um 13:00 Uhr schliesst, einen Elektroladen, der nur an 2 Tagen offen hat, ein Büro eines Begräbnisinstituts und einen Geschenkeladen.
    Tut mir echt leid für die, aber Eis und Bier bringen die Menschheit dort tatsächlich weiter. Ich habe das Gefühl, an einigen Lagen sind nicht die 70er, sondern noch die 50er Jahre dominant.

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