Stare Wars

Ich bin schon so alt, dass ich jeden Star Wars Film nach Erscheinen im Kino gesehen habe. 1978, mit 14, war das Erlebnis für mich unbeschreiblich. Nach dem ersten Film habe ich zu Hause Stormtroopers aus Heften mit Buntstiften abgezeichnet. Warum ich das schreibe? Um zum Ausdruck zu bringen, dass ich immer schon ein Star Wars Fan war.

Die zwei folgenden Filme gefielen mich auch sehr gut, dann gab es eine Pause, und die nächsten drei Filme lockten mich ab 1999 wieder ins Kino. Teil II war der schwächste (der war wirklich stinklangweilig und kitschig), dafür war „Die Rache der Sith“ aus dieser Reihe für mich der Film, der mich bei der Stange hielt, um mir heute „Das Erwachen der Macht“ voller Enthusiasmus anzusehen.

Es war eine bittere Enttäuschung.

Die Story war ja schon immer öde, aber diesmal war die Geschichte eigentlich die gleiche wie beim Teil IV. Waisenkind entdeckt die Macht und Kämpft mit Han Solo gegen das Böse, helfen tun ein Droide, C3PO, die Rebellen etc. Sogar der Todesstern kommt vor – die grobe Handlung bleibt absolut gleich.

Die Schauspieler sind auch die gleichen, ausser dass man den Part des Waisenkinds jetzt der attraktiven Daisy Ridle gegeben hat. Selbstverständlich darf ein etwas trotteliger Schwarzer nicht fehlen, Eddie Murphy war schon zu alt und zu Plump sollte er auch nicht sein, also gab man die undankbare Rolle einem talentierten Nachwuchsnigerianer, damit die Diversity-Quoten erfüllt werden. Wer sehen will, wie man heute Diversity produziert, sollte sich lieber mal Jessica Jones auf Netflix ansehen. So schreibt man heute Rollen abseits des Gender-Mainstreams.
Ach ja, da war ja noch der Bösewicht. Der war wahrscheinlich als Lannister bei Game of Thrones dazu vorgesehen, den trotteligen Sohn Nummer 14 zu spielen und irgend eine Burg am kalten Arsch der Welt zu bewachen. Und dann wurde sine Storyline gekappt und als Kompensation hat er diese Rolle hier erhalten. Er sieht auf alle Fälle wie ein Trostpreis aus und sein Charakter gibt auch nicht mehr her.

Die Technik war 1978 etwas nie Dagewesenes. Klar, das ist heute schwieriger geworden. Aber der neue Star Wars macht auch hier einen auf Nostalgie: Keine atemberaubenden Tricks, keine neuen Ideen, keine visuellen oder akustischen Effekte, die man nicht auch schon 2006 bei der letzten Folge hätte sehen oder hören können, ausser: 3D. Und das heute war das mieseste 3D, dass ich seit langer Zeit gesehen habe.

Die Zeiten, wo man Weltraumfilme an Orten dreht, die zufällig wie die Erde aussehen, sind vorbei, dachte ich. Ich lag falsch. Die Zeiten, wo man das Decor aus den 70ern nochmals aufwärmen kann, sind vorbei dachte ich. Auch da lag ich falsch. Aber während Leia und Han Solo 30 Jahre älter geworden sind (wie ich auch), fliegen sie immer noch die ollen Karren aus der ersten Staffel. So, wie wenn man hier noch in Saabs 900 rumdüsen würde. Gibts bei denen keine Modellrenovation? Oder nennt man das jetzt Kostümfilm?

Für den Disney-Effekt (niedlich) ist der neue BB-8 zuständig. Der hat mir – obwohl durchschaubar – trotz allem gut gefallen. Aber das reicht nicht, um einen Film zu retten.

Schlussendlich kommt dann noch eine Szene, irgendwo zwischen Irland und Machu-Pichu, die meiner Titelversion dieses Streifens den Titel gibt: Es ist ein Krieg im Anstarren. Alle starren sich immer irgendwo irgendwie lähmend lange an und sagen nichts oder Nichtssagendes.

Mein Fazit: Die Story ist ein Remake, die Technik veraltet, die alten Schauspieler hätten eine Gast-Appearance (aber nicht mehr) verdient gehabt. Weder Drehbuch noch Regie noch Casting verdienen Applaus. Der Film erinnert mich an ein Klassentreffen, zu dem man geht um zu sehen, wie alt die doch alle geworden sind. Dann ist man zufrieden, wärmt alte Geschichten auf und gut ist. Oder eben nicht gut. So wie dieser Film.

2 Gedanken zu „Stare Wars

  1. Hartes Urteil. Aber im Kern denken wir vielleicht gar nicht so unterschiedlich: Wir waren der Meinung, mit Teil 7 ist Star Wars „erwachsen“ geworden. Und wir wissen ja alle: Erwachsen sein bedeutet immer auch ein wenig konform sein.

    Uns gefielen die schnittigen X-Wings mit ihrer modernen Farbgebung, dass auch mal Blut bzw. der Tod von Sturmtrupplern dargestellt wurde, und dass mal nicht der Topheld des Films den Todesstern sprengt, sondern irgendein Rottenführer das entscheidende Manöver fliegt.

    Und überhaupt

  2. Jaja, den allerersten Starwars sah ich in Dublin und wusste gar nicht, was mich da umhaut da eigentlich mehr gewoehnt an Lina Werthmueller (immer noch genial) oder Wim Wenders (schauder) Filme.
    Den neuesten habe ich noch nicht gesehen, weiss aber als „irish resident“ alles ueber die auf „unserem“ Skellig Michael gedrehten Szenen. Trotz Protest der Natuerschuetzer.
    Die hiesige Tourismusindustrie hofft auf neue Besucher aus dem All.

    Mein Netflix Tip: Once upon a time. Oh ja.

    Sandra

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