Wählen für Muffel in 8 Schritten und 10 Minuten. (Bern-Edition)

Wählen ist nicht nur einfach, sondern auch wichtig. Wenn Du darauf verzichtest, wählst Du trotzdem. Du wählst Status Quo oder Rückschritt. Wenn Du nicht wählst, darfst Du vier Jahre nicht Jammern. Nicht über Flüchtlinge, nicht über Steuern und nicht über die Umwelt. 

Entscheide Dich zwischen diesen 7 Parteien, der Rest ist leider chancenlos.
Entscheide Dich zwischen diesen 7 Parteien, der Rest ist leider chancenlos.

Hier meine kurze Anleitung:

  1. Schriftlich wählen ist bequem und in 10 Minuten erledigt. Nimm das amtliche Stimmcouvert und mache es gemäss Anleitung auf.
  2. Nimm  das Propagandamaterial zur Hand und schmeiss alles weg, was chancenlos ist. Denn bei der Nationalratswahl vor vier Jahren gingen 18% alle Stimmen an Kandidaten und Gruppierungen, die keinen Sitz errangen. Diese Stimmen sind also wertlos, ob die Gruppierungen und Kandidaten gut oder schlecht sind, spielt keine Rolle.
    Weg damit, Mut zur Prioritätensetzung!
    Im Klartext: Alle Parteien, die mit J anfangen (inkl. Jutzi),  die EDU, die CVP, die Piraten, die SD und die PDA. Die haben allesamt keine Chance auf einen Nationalratssitz für Bern im 2015 – Deine Stimme für die ist eine verlorene Stimme. Diese Parteien kannst Du bei den Kommunalwahlen wählen (in Bern sind die nächstes Jahr).
  3. Jetzt schmeisst Du auch noch alles weg, was Dir überhaupt nicht passt. Du magst keine Patrioten? Weg damit. Du magst keine Gutmenschen? Häjänusode – weg damit. Oder keine Unternehmer oder keinen massiven Männerüberschuss? Am Schluss solltest Du vielleicht 3-5 Wahlprospekte haben, die Du nicht ganz so schlimm findest wie alle anderen.
  4. So, jetzt schaust Du dir an, wofür diese Parteien stehen. Macht das für Dich Sinn? Du wirst in jedem Prospekt etwas finden, was für Dich nicht geht, aber mehr als 3 Sachen sollten es nicht sein. Den Rest wirfst Du weg.
  5. Wenn Du jetzt nur noch einen Prospekt hast, schaust Du Dir die Listennummer an, nimmst die entsprechende Liste aus dem zusammengeleimten Listenblock und schmeisst den Rest weg.
  6. Wenn Du jetzt diese Liste in das Wahlcouvert steckst, hast Du Deine Nationalräte schon gewählt. Alle Deine Stimmen gehen an eine Partei, und davon vor allem an die 1-2 Spitzenkandidaten. Wenn Du damit leben kannst, fein. Und sonst machst Du Dich hier schlau.
  7. Bei der Ständeratswahl musst Du dir eigentlich nur eine Frage stellen: Will ich, dass mein Kanton von den beiden Bisherigen repräsentiert wird, oder möchte ich eine Veränderung?
    Wenn Du eine Veränderung möchtest (z.B. eine Frau oder einen Oberländer), dann gibt es max. zwei Kandidaten, die eine Chance haben. Vergiss den Rest – das ist Illusion. Hier in Bern hast Du neben Hans Stöckli und Werner Luginbühl noch die Möglichkeit, mehr Rechts zu stimmen (Albert Rösti) und damit Luginbühl abzuwählen, oder  Luginbühl durch eine Frau zu ersetzen (Claudine Esseiva, FDP). Nimm den grünen Wahlzettel, schreibe die beiden Namen der beiden Personen drauf und gut ist. (Hier darfst Du keine Namen doppelt aufführen.)
  8. Jetzt nimmst Du den hellblauen Halbkarton, unterschreibst (sonst war alles vergebens und Deine Stimmen sind ungültig) und steckst diesen auch noch ins Couvert. Wenn man im Fenster „Stimmregister der Stadt Bern“ lesen kann, ist alles gut. Briefmarke drauf oder Code notieren (ja, auch dafür gibt es keine Entschuldigung mehr) und demnächst in den nächsten Postkasten schmeissen. Oder im Postausgang an Deinem Arbeitsplatz deponieren.
  9. Herzliche Gratulation, Du hast gewählt.

PS Selbstverständlich darf hier meine persönliche Wahlempfehlung nicht fehlen: Wer die Energiewende und eine ökologische Umwelt will, wer für LGBT ist und generell eher KMU-freundlich und fortschrittlich, wählt GLP, Liste 13. Im Ständerat brauchts eine junge Frau. Claudine Esseiva und dazu Hans Stöckli, dann kommt’s gut, finde ich.

PSPS Natürlich gäbe es noch feine Details, wie man noch besser wählen könnte. Natürlich kann man auch eine chancenlose Partei wählen wegen den Listenverbindungen und so. Mit dieser Anleitung können aber Leute, die sich damit nicht auseinandersetzen wollen, trotzdem mit maximaler Wirkung stimmen. Lieber pragmatisch wählen als gar nicht wählen – das soll diese Anleitung bewirken.

 

 

4 Gedanken zu „Wählen für Muffel in 8 Schritten und 10 Minuten. (Bern-Edition)

  1. “ schmeiss alles weg, was chancenlos ist. “

    Meiner Meinung nach ist dies das schlimmste, was einer Demokratie passieren kann. So KANN das Volk nicht gebührend vertreten werden! Darum ginge es nämlich bei diesen Wahlen.

    „Deine Stimme für die ist eine verlorene Stimme. “

    Eine falsche Stimmabgabe ist eine verlorene Stimme, nicht aber die Stimme für den Kandidaten deines Vertrauens.

  2. @Bernfan – Ja, einverstanden. Wie gerne würde ich meine Liste aus Piraten, GLP, Juso, den Grünen und ein paar netten Leuten aus der CVP, EVP und der FDP zusammenstellen. Vorallem die JFDP hat auch immer sehr ansehnliche Kandidatinnen.
    Bei Nationalratswahlen – und vor allem bei solchen, an welchen ein Rechtsrutsch prophezeit wird, muss man meiner Meinung nach aber Prioritäten setzen. Wie gesagt: Bei den Gemeinderats- und Stadtratswahlen, selbst beim Grossen Rat, sieht das anders aus – und da sind ja auch viel mehr Parteien und Gruppierungen vertreten.
    Umgekehrt: Man muss sich schon fragen, warum eigentlich jede Kleinstpartei für die NR Wahlen antritt (Antwort: Um den Wahlkampf für andere Wahlen zu testen…).
    Mein Vorschlag: Unterstütze den/die chancenlose/n Kandidat/in Deines Vertrauens in der chancenlosen Partei Deines Vertrauens mit Deiner Mitgliedschaft (Partei, Kommitee) oder einer Spende.

  3. „Um den Wahlkampf für andere Wahlen zu testen…“

    Dies gibt den Kleinstparteien aber keine genauen Daten, da es Wähler gibt, welche taktieren und den ‚Chancenlosen‘ keine Stimme geben. Der Nutzen ist hier begrenzt.

    Eine Spende oder Mitgliedschaft ist meiner Meinung nach weniger Wert als meine Stimme. Zudem herrscht bezüglich Spenden noch keine Transparenz, weshalb ich da nicht mitmache.

    Wenn ich nur Kandidaten wählen würde, welche realistische Chancen haben, gewählt zu werden, müsste ich ausschliessilch Kandidaten wählen, welche unter 50% meine Meinung vertreten, gemäss smartvote.ch.
    Inwiefern kann ich also mein Wahlrecht zu meinen Gunsten nutzen (im Sinne von: „Meine Ansichten werden im Bundeshaus vertreten“)?

    Bitte erkläre mir das. Lieber Wähle ich nicht, als jemanden meine Stimme zu geben der grösstenteils nicht meine Meinung vertritt.

    1. Nun, lieber Bärnfan, da bin ich auch überfragt. Wenn ich Smartvote mache, hat mein kompatibelster Kandidat 70% – bei meiner Tochter (17) geht’s bei 85% los. Wenn Du nur Resultate unter 50% hast, tja, was dann?
      Dann würde ich nach dem Negativprinzip gehen. Welche Partei willst Du ganz sicher nicht? Dann wähle den Gegenpol bzw. den grössten Konkurrenten.
      Als zweiten Ratschlag – auch wenn er absurd klingt: Bei so einer Quote solltest Du eigentlich selbst kandidieren – es gibt sicher noch viele potenzielle Wähler, die Du vertreten würdest.

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